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Partnerschaft

Kritik in der Partnerschaft

Kritik - oder besser: Feedback - ist aus vielen Organisationen nicht mehr wegzudenken. Mindestens einmal im Jahr müssen sich die Mitarbeiter und Vorgesetzte derartigen Beurteilungsgesprächen unterziehen, in denen sie sowohl Lob für gute als auch Veränderungsanregungen für schlechte Leistung erhalten. In der Arbeitswelt kann Kritik also voranbringen. Die Frage liegt nahe, ob diese Denkweise auch auf andere Lebensbereiche übertragbar ist, beispielsweise auf die Partnerschaft. Kann Kritik die Liebe voranbringen, oder führt sie zwangsläufig zu Unzufriedenheit und Entzweiung?

Frau und Mann im Bett Schlecht formulierte Kritik wird selten gut aufgenommen  –   © Fotolia

Der Sinn von Kritik

Kritik ist an sich etwas Gutes, daran besteht kein Zweifel: Nur, wer seine Schwächen kennt, kann sie verändern. Tatsache ist nun einmal, dass die meisten Menschen nicht ausreichend selbst reflektiert durchs Leben gehen, um sich eigene Fehler ehrlich eingestehen zu können. Jeder hat ein bestimmtes Bild von sich und seiner Wirkung auf andere; zwischen diesem Selbstbild und dem tatsächlichen Fremdbild können mitunter große Diskrepanzen bestehen - daher ist es eigentlich gut, wenn wir von anderen darauf hingewiesen werden. Wer es schafft, Kritik als etwas Positives zu werten, das hilft, Unzulänglichkeiten auszugleichen, sich zu verändern und im Leben voranzukommen, hat eine entscheidende Lektion gelernt. Natürlich nur unter der Voraussetzung, dass der Gegenüber die Kritikpunkte auf anständige Weise vermittelt:

  • immer mit etwas Positiven beginnen
  • sachlich bleiben und nicht emotional werden
  • keine Formulierungen wählen, die den anderen verletzen könnten
  • auf Freundlichkeit und Wohlwollen achten, sowohl in der Wortwahl als auch in Mimik und Gestik
  • eine angenehme, entspannte Atmosphäre schaffen
  • signalisieren, dass die Kritik gut gemeint ist
  • nichts generalisieren, sondern immer konkret bleiben - bestenfalls Beispiele geben

 

Insofern solche und ähnliche Aspekte berücksichtigt werden, stehen die Chancen gut, dass der zu Kritisierende zuhört und das Gesagte annimmt. Allerdings nur unter einer Voraussetzung: Kritikfähigkeit. Nicht jeder ist Willens, sich mit eigenen Schwächen auseinanderzusetzen, schon gar nicht, wenn andere darauf hinweisen. Entweder, man hält sich selbst für unfehlbar und schenkt geäußerter Kritik keinen Glauben, oder man weiß eigentlich um seine Fehler, möchte jedoch seinen Selbstwert schützen und nicht auf sie angesprochen werden.

Kritik vs. Nörgelei: Der schmale Grat in Partnerschaften

In Beziehungen ist Kritikäußerung eine Gratwanderung. Zu häufig "Verbesserungsvorschläge" anzubringen, kann einem schnell den Ruf des ewigen Nörglers einbringen, dem nichts recht ist. Bei genauerem Nachdenken verständlich: Man geht davon aus, dass der andere einen liebt, wie man ist - mit allen Ecken und Kanten. Zu Beginn einer jeden Partnerschaft werden diese auch stillschweigend hingenommen, zumeist gar angehimmelt, da sie als "liebenswert" oder "besonders" tituliert werden. Nach einigen Beziehungsmonaten jedoch kippt das Bild, Macken sind allenfalls "nervig" oder "seltsam". Ein normaler Prozess, der allerdings nicht so leicht akzeptiert werden kann: Warum ist heute falsch, was du gestern geliebt hast?

Wenn plötzlich die Haare nicht sitzen, die Schuhe an der falschen Stelle ausgezogen werden, die Äußerungen zum Thema Politik nicht mehr an den Esstisch gehören oder die Art, sich in Gespräche anderer einzubringen, unangemessen ist, dann kann das schon Zweifel über das "Warum bist du eigentlich noch mit mir zusammen" aufwerfen. Zu häufig angebrachte Kritik, die zu viele Bereiche antastet, wirkt schnell pedantisch und chronisch unzufrieden. Im Folgenden einige Fragen, die bei der Abschätzung der Angemessenheit von Kritik in der Partnerschaft unter Umständen helfen können:

  • Wird die Kritik Früchte tragen?
Mann und Frau Worauf darf man hinweisen?  –   © istockphoto.com

Schon Knigge sagt uns, wir sollen andere nur auf diejenigen Unzulänglichkeiten hinweisen, die schnell verändert werden können. Entsprechend ist es in Ordnung, andere auf Essensreste im Mundwinkel hinzuweisen, wohingegen tunlichst vermieden werden sollte, andere auf Löcher oder Laufmaschen hinzuweisen - denn die lassen sich nicht mal eben beseitigen.

In Partnerschaften ist das ähnlich: Kritik an unpassenden Angewohnheiten zu üben ist in Ordnung, da diese, die Handlungsbereitschaft des anderen vorausgesetzt, zumeist schnell verändert werden können. Persönlichkeitseigenschaften hingegen sind fast änderungsresistent, weshalb nicht davon ausgegangen werden kann, dass sich ein besonnener und stets gut strukturierter Mensch plötzlich zu spontanen Abenteuertrips überreden lässt. Ebenso wenig, wie eine schüchterne Person plötzlich zum Partymittelpunkt avancieren wird oder ein Mensch, dem die Familie wichtig ist, der Kritik wegen auf die wöchentlichen Besuche bei den Eltern verzichten wird. Würden solche Eigenschaften immer und immer wieder kritisiert, würde die Partnerschaft unermesslich leiden und langfristig vielleicht sogar zerbrechen.

  • Was ist mir wirklich wichtig?

Für jeden gibt es rote Tücher, deren bloßer Anblick einen auf die Palme bringt. Ebenso hat jeder von uns Wünsche und Ziele, deren Erfüllung einen wesentlichen Teil unserer Persönlichkeit oder unseres Lebensentwurfs darstellt. Für die Kritik folgt daraus, dass es Dinge gibt, die man zum eigenen Wohl nicht akzeptieren kann und auch nicht sollte. Was zu diesen Punkten zählt, sollte einem klar sein:

Was ist mir wichtig? Worauf kann ich nicht verzichten? Was wünsche ich mir vom Leben, von der Liebe, von meinem Partner?

Verhaltensweisen des anderen, die diesen Vorstellungen im Wege stehen, dürfen - müssen sogar - kritisiert werden. Denn wenn man ehrlich ist, ist das Eingeständnis möglich, dass derartige Dinge auf Dauer ohnehin nicht ertragbar wären. Allerdings ist sehr wichtig, dem Partner die persönliche Wertigkeit der Kritik klar zu machen. Kann dieser sie nachvollziehen, wird er sicherlich gerne alles versuchen, dem Wunsch nachzukommen. "Das ist mir wichtig" inflationär zu gebrauchen und jede Kleinigkeit zum Zwecke der Kritik auf eine höhere Ebene der Importanz zu heben, ist allerdings nicht Sinn der Sache!

  • Womit kann ich leben?

Auch die andere Perspektive ist wichtig:

Was ist meinem Partner wichtig? Worauf will er vermutlich nicht verzichten?

Sich diese Frage zu stellen, bewahrt einen vor ungerechtfertigter Kritik. Denn auch dem anderen sind manche Dinge im Leben besonders wichtig, machen enorm Spaß und gehören einfach zu ihm. Würden diese Dinge permanent kritisiert, würde das langfristig schaden; ein klärendes Gespräch kann Aufschluss darüber geben. Die Frage, ob man der Liebe wegen bereit ist, diese Verhaltensweisen zu akzeptieren und lernen kann, mit ihnen klarzukommen, oder ob sie einen Bereich antasten, der einem selbst zu wichtig ist, als dass man sie ertragen könnte, muss sich jeder selbst beantworten.

  • Würde ich mir das sagen lassen?

Sich in sein Gegenüber einzufühlen kann dabei helfen zu entscheiden, ob Kritik angemessen ist oder nicht. Sich die Frage zu stellen, ob man selbst sich in bestimmte Lebensbereiche hineinreden lassen wollen würde oder wie es sich anfühlen würde, wenn der Partner wegen diesem Thema Kritik an einem übt. Wenn an dieser Stelle ehrlich eingestanden werden kann, dass der Hinweis auf die Unzulänglichkeit selbst keineswegs negativ bewertet werden würde, evtl. sogar hilfreich oder aufmerksam wäre, kann Kritik geäußert werden - andernfalls sollte die Sache besser noch einmal überdacht werden.

Darüber hinaus schwingt hier ein weiterer Aspekt mit: "Wer austeilt muss auch einstecken können!" Wer es für angemessen befindet, den Partner zu kritisieren, sollte umgekehrt auch damit zurechtkommen, wenn dieser entsprechende Gedanken äußert.

Das "Wie" ist entscheidend!

Wer Kritik an seinem Partner übt, muss unbedingt darauf achten, diese so gut wie möglich rüberzubringen. Freilich, Kritik zu hören ist nie schön und kratzt zuweilen sehr am Ego, allerdings wird dieser Sachverhalt durch eine vorwurfsvolle, schnippische oder belehrende Art noch verschlimmert. Die oben aufgeführten Punkte sollten daher beherzigt werden - was im Job funktioniert, kann auch in der Partnerschaft nicht schaden, vermitteln sie doch:

  • Aufmerksamkeit
  • Objektivität und Neutralität
  • Höflichkeit
  • Sympathie und Wohlwollen
  • Partnerschaftlichkeit
  • Wille zur Auseinandersetzung

Kritische Anmerkungen dürfen nicht als Vorwurf, Schuldzuweisung, Nörgelei oder Bevormundung verstanden werden. Wer Kritik angemessen anwenden und den Partner dadurch nicht in die Ecke treiben möchte, muss sehr sensibel vorgehen. Insofern einige der vorgeschlagenen Punkte berücksichtigt werden, stehen die Chancen gut, dass Kritik ihren eigentlichen Zweck erfüllt: Veränderungen hin zum Positiven.

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