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Seelenverwandtschaft: Alles nur Utopie?

Romane und Liebesfilme sind voll davon: Magische Momente, die aus der zufälligen Begegnung von Millionär und Mädchen das perfekte Paar zaubern. Sie scheinen Seelenverwandte zu sein – mit allem, was dazu gehört. Dadurch bewältigen sie sämtliche Schwierigkeiten und leben schließlich glücklich bis zum Lebensende. Aber gibt es so etwas wie Seelenverwandtschaft wirklich außerhalb von Filmen, Büchern und alten Erzählungen?

Zwei Hände Hat jeder Mensch einen Seelenverwandten?  –   © iStock

Er sieht sie, sie blickt ihm tief in die Augen, man kann die Sterne und Herzen regelrecht explodieren sehen. Danach folgt ein tiefer, inniger Moment – und eine Seelenverwandtschaft ist erkannt. Beide werden sich nie wieder aus den Augen verlieren, füreinander da sein und sich im tiefen Verständnis zueinander darum, dass sie für immer zueinander gehören, um die Partnerschaft bemühen. Das klingt traumhaft, nach Utopie und Hollywood-Klischee und begegnet einem in Erzählungen doch auch ab und an bei Freunden und Bekannten. Da gibt es immer das eine Pärchen, das genauso etwas erlebt haben will. Sie passen wie Topf und Deckel aufeinander, ergänzen sich optimal und führen diese Art der Beziehung, die man gern auch für sich selbst erleben möchte.

Tatsächlich ist der Gedanke der Seelenpartnerschaft sehr alt. Verschiedene Religionen vertreten die Auffassung, dass es zueinander gehörende Seelen gibt, die sich nur noch auf der Erde wiederfinden müssten. Teilweise spielt es hierbei keine Rolle, ob die daraus entstehende Ehe auch glücklich ist und die Partner eventuell mit einem anderen zufriedener wären – es zählt allein der Gedanke, die fehlende Hälfte gefunden zu haben.

Seelenpartner sind, je nachdem, ob man religiöse oder eher spirituell-romantische Quellen heranzieht:

  • zwei Teile eines Ganzen, die sich optimal ergänzen
  • durch eine höhere Macht füreinander bestimmt oder einander zugeordnet
  • eine Bereicherung im Alltag und in der Partnerschaft
  • ähnlich gelagert, was Gedanken, Gefühle und Ziele im Leben angeht

Der griechische Gelehrte Plato versuchte einst, dieses Phänomen über den erfundenen Mythos der Kugelmenschen zu erklären: Wesen, die aus je vier Armen und Beinen sowie einem Kopf mit zwei Gesichtern bestanden hätten. Ihre Hybris führte dazu, dass Zeus sie in zwei Hälften spaltete. Der so entstandene moderne Mensch sucht seitdem seine verloren gegangene zweite Hälfte und will nichts mehr, als sich endlich wieder komplett zu fühlen.

Davon ausgehend spricht man in der Literatur teils auch von Dualseelen oder Zwillingsseelen oder der „Zwillingsflamme“, die in zwei Körpern brennt.

Wie sich Seelenpartner erkennen

Rein wissenschaftlich gesehen lässt sich ein Teil dieser oft beschriebenen Anziehungskraft zwischen zwei Menschen auf den Geruch, genauer auf den Major histocompartibility complex (MHC), zurückführen. Feine Botenstoffe im individuellen Geruch werden im Gehirn ausgewertet. Sie sortieren bereits in den ersten Sekunden eine Begegnung, wie kompatibel das Gegenüber im Falle einer Fortpflanzung wäre. Optimal zueinander passende Partner können sich besonders gut „riechen“, finden sich sympathisch – und kommen oft zunächst aufgrund der starken Anziehungskraft zusammen.

Als weitere Anzeichen werden häufig die folgenden benannt:

  1. gleiche Wellenlänge bei Gesprächen, politischen und beruflichen Themen
  2. intuitives Gespür für die Emotionen des anderen
  3. Offenheit von Anfang an scheint möglich und sinnvoll zu sein
     

Diese magischen Momente aus den Hollywood-Filmen können durchaus vorkommen – aber eventuell ist es auch etwas weniger dramatisch, wenn man einem wirklich gut zu einem passenden Menschen begegnet. Man trifft sich, versteht sich, möchte in Kontakt bleiben – und tut das auch. So simpel kann es manchmal auch sein.

Seelenverwandte: Sind sie die idealen Partner?

Wahre Liebe © iStock

Wenn man sich auf den Gedanken einlässt, dass es irgendwo dort draußen den absolut und ideal zu einem passenden Partner gibt, kann das jeden realen Kontakt schnell vergraulen. Denn dann tritt jeder Fehler, jede individuelle Macke nur noch stärker in den Vordergrund. Der Seelenverwandte würde ja auch nie seine Socken herumliegen lassen, würde nie die Zahnpasta im Waschbecken verschmieren – und keine seltsamen Freunde mit krudem Humor mitbringen. Oder?

Das Konzept der Zwillingsseele ist – wie schon gesagt – recht alt. Dabei spielten anfangs perfekte Harmonie und Gleichheit keine große Rolle. Die Vorherbestimmung, die Zueinandergehörigkeit stand im Vordergrund. Erst später kam der Gedanke auf, dass neben dieser perfekten Zuordnung auch eine ideale Harmonie herrschen müsste.

Dabei wäre Gleichheit in einer Beziehung oft gleichbedeutend mit Stillstand und Langeweile. Dauerhafte, starke Partnerschaften entstehen meist zwischen Liebenden, die sich in vielen Punkten unterscheiden, unterschiedliche Haltungen zu Themen mitbringen – und damit Möglichkeiten, sich zu reiben und aneinander zu wachsen.

Die „perfekte Ergänzung“ durch einen Seelenpartner würde dann die Leerstellen bei einem selbst füllen, wie bei einem Puzzle. Dabei gibt es keine Garantie dafür, dass sich das wundersame „Glücklich bis ans Ende aller Tage“ auch erfüllt. Ein berühmt-berüchtigtes Paar, dem Seelenverwandtschaft nachgesagt wurde, das waren Marylin Monroe und Arthur Miller. Auch wenn sie anfangs unzertrennlich waren, konnte ihre Liebe doch den Alltag nicht dauerhaft bewältigen.

Parallel dazu kann es auch vorkommen, dass man sich allzu sehr auf die Seelenpartnerschaft versteift – und in eigentlich ungesunden Beziehungen verharrt. Keine wie auch immer geartete Beziehung ist es allerdings wert, sich selbst vollständig darin zu verlieren. Diesen Verlust kann auch die Beziehung zu einem Seelenverwandten nicht mehr auffangen.

Seelenliebe: Lohnt sich das Warten?

Wer bereits harte Enttäuschungen in der Liebe erfahren musste, findet im Gedanken des optimalen Partners vielleicht Trost und Hoffnung. Oder Frust, weil sich der Seelenpartner leider so viel Zeit lässt, bis er oder sie sich finden lässt.

Darüber hinaus ist es, wie bei allem in der Partnersuche, eine Sache der Einstellung:

  • Aktiv suchen oder auf das Gefundenwerden hoffen?
  • Die optimale Partnerschaft als Maske auf jeden potenziellen Kandidaten legen – oder mit dem arbeiten, was der Lebenspartner mit sich bringt?
     

Wer für sich selbst entscheidet, dass die Seelenverwandtschaft und damit die Partnerschaft mit einer verbundenen Seele das absolute Ziel sein soll, der investiert seine Zeit in der Partnersuche künftig darin, eben diesen zweiten Teil seiner selbst zu suchen.

Für alle anderen ist die Idee der Zwillingsseele eine Theorie, die die manchmal unerklärliche Verbundenheit mit scheinbar völlig Fremden erklären kann – ohne dass sich daraus der Zwang einer speziellen Suche ableiten ließe.

Was, wenn …?

Was, wenn der Seelenpartner bereits in einer Beziehung steckt? Was, wenn der Traumpartner das „falsche“ Geschlecht hat?

Herzen © Shutterstock

Wer sich dem Konzept der Dual- und Zwillingsseelen verbunden fühlt, der wischt diese Einwände beiseite. Liebe kennt keine festgelegte Form und keine Grenzen, heißt es dann. Zwillingsseelen würden sich finden und zueinander kommen – teilweise auch, indem vorherige Partnerschaften gelöst oder bisher bestandene Vorlieben für ein bestimmtes Geschlecht aufgelöst würden.

Ganz praktisch betrachtet gilt aber: Das hat jeder selbst in der Hand. Mit diesem neuen verheirateten Kollegen im Büro, mit dem alles so harmonisch läuft, dem man sich am liebsten sofort anvertrauen möchte – man kann mit ihm flirten und mehr erwarten oder diese entstehende Verbindung auf eine ganz und gar platonische Weise genießen. Wie Paartherapeuten gern betonen, ist Liebe (auch) eine rationale Entscheidung dafür, den nächsten Schritt anzugehen. Seelenverwandt zu sein, setzt in keiner Weise voraus, sich ausschließlich auf klassische Beziehungen einlassen zu müssen.

„Schwestern im Geiste“ oder „Brüder im Geiste“ sind manchmal auch das, nämlich Menschen, die sich einfach und auf Anhieb wunderbar verstehen. Ohne körperliche Anziehungskraft, ohne Beziehungsansprüche.

Im Sinne der romantischen Idee der Seelenverwandtschaft finden Zwillingsseelen im Laufe ihres Lebens zueinander, in der einen oder anderen Form.

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