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Typisch Frau: Klischees – was stimmt da eigentlich wirklich?

Vorurteile und Klischees – sie bestimmen ganz unbewusst unseren Alltag und lenken unsere Erwartungshaltung an andere Menschen und ihr „typisches“ Verhalten. Frauen, so die Annahmen, sind tendenziell mütterlich, kümmern sich gern um andere, reden sehr viel und sind wesentlich emotionaler als Männer. Aber stimmen diese Klischees überhaupt?

typisch Typisch Frau! Oder doch nicht?  –   © iStock

Zunächst: Klischees oder Stereotype unterstützen uns im Leben dabei, Situationen und Menschen innerhalb weniger Sekunden einzuschätzen. Ein Relikt aus unserer Vergangenheit als Jäger und Sammler, bei dem eine gute Beobachtungsgabe bei überlebenswichtigen Fragen absolut von Vorteil war:

  1. Ist das Gegenüber Freund oder Feind?
  2. Wie wird er oder sie auf Annäherungsversuche reagieren?

Wer mit seiner Einschätzung anhand bestimmter Merkmale richtig lag, blieb am Leben – und konnte seine Erfahrungen weitervererben. Einige Verhaltensweisen lassen sich biologisch auf unterschiedliche Nerven- und Reaktionssysteme zurückführen, andere sind schlicht anerzogen und vorgelebte Handlungsweisen, mit denen sich im Alltag gut rechnen ließ.

Eine Stufe weitergedacht, tauchen dann die Vorurteile auf. Sie übertragen vereinzelte Erfahrungen auf alle Personen einer Gruppe:

  1. Alle Männer können gut mit Technik umgehen.
  2. Alle Frauen haben keinen Orientierungssinn.

Auf diese Weise werden Männer und Frauen gleichermaßen in passende Schubladen sortiert – völlig unabhängig davon, was sie selbst eigentlich an Stärken oder Schwächen mitbringen. Unter Umständen wird so wichtiges Potenzial vergeudet – und gerade im Job leidet die Motivation enorm.

Während Frauen laut Genderstudies vor allem an Karriereeinbußen und damit an finanziellen Verlusten leiden, vermissen Männer zunehmend die Möglichkeit, auch als eher weiblich betrachtete Eigenschaften ausleben zu dürfen. Stattdessen stehen sie unter dem Druck, sich typisch männlichen Eigenschaften und Interessen zu verschreiben.

Geschlechterrollen & Stereotype: „Typisch Frau!“

Aber zurück zum „Typisch Frau“-Klischee, das nun vor allem auf der Dating- und Paarebene kleinere und größere Hürden parat hält. Es gibt eine ganze Reihe von gängigen Klischees, die die Unterschiede zwischen den Geschlechtern erklären sollen.

Typisch Frau: Frauen reden viel, oft und behandeln vor allem emotionale Gesprächsthemen

Die umfangreiche Wortmenge lässt sich mit Studien belegen, denn im Schnitt sprechen Frauen tatsächlich wesentlich mehr Wörter innerhalb von 24 Stunden. Von Kindheit an wird bei Frauen gleichzeitig Wert darauf gelegt, dass sie Konflikte sprachlich lösen – entsprechend eher sind sie in der Lage, auch als Erwachsene Emotionen zu benennen und Diskussionen argumentativ zu führen.

Typisch Frau: Frauen shoppen wahnsinnig gern, besitzen einen Schuh-Tick und können nicht mit Geld umgehen

Verschiedene Studien konnten zwar belegen, dass Frauen durchaus im Schnitt mehr Schuhe als Männer ihrer Altersklasse besitzen. Ob sie generell schlechter beim Umgang mit Geld gestellt sind, lässt sich dagegen nur schwer belegen. Im Genderbericht des Bundesministeriums für Bildung und Frauen von 2015 beziehen tendenziell Männer häufiger Notstandsgeld als Frauen – und erhalten auch einen höheren Tagessatz, um eine finanzielle Notlage bewältigen zu können.

Ein Teil des Klischees, Frauen könnten nicht mit Geld umgehen, dürfte sich aus dem generell niedrigeren Einkommen von Frauen ergeben. Durchschnittlich 39 Prozent verdienen Frauen weniger als Männer in Österreich, so weist es der Genderbericht des Bundesministeriums aus. Ein möglicher Grund für diesen Pay Gap führt direkt zum nächsten Klischee: Frauen kümmern sich einfach zu gerne um andere.

Typisch Frau: Frauen wollen alle Mütter werden und kümmern sich gern

Die Wahrheit ist recht unspektakulär: Ja, meistens ergreifen Frauen Berufe, in denen vorrangig soziale Kompetenzen erforderlich sind. Diese Berufe werden überwiegend schlechter bezahlt und bedienen deshalb das Vorurteil, Frauen könnten nicht mit Geld umgehen – wer weniger hat, kann weniger hochwertige Sachen kaufen – und kauft deshalb zwangsläufig häufiger, denn billiges geht schneller kaputt. Gleichzeitig muss man bedenken, dass, sobald frau ein gutes Einkommen vorweisen kann, oft weit höhere Ansprüche an ihr Erscheinungsbild gestellt werden. Das lässt die Schuh- und Kleidersammlung anwachsen, um diesen Ansprüchen entgegenzukommen.

Frau © iStock

Noch einen biologischen Grund gibt es dafür, dass Frauen viel eher in Äußerlichkeiten investieren: Denn reine Haut, glänzendes Haar und ein gepflegtes Erscheinungsbild signalisieren dem potenziellen Partner seit Jahrtausenden, dass frau fruchtbar und mit guten Genen ausgestattet ist. Diese sichtbaren Anzeichen für mögliche gesunde Nachkommen spielen auch heute noch – auf einer ganz und gar unbewussten Ebene – eine wichtige Rolle bei der Partnersuche.

Das „Kümmergen“, wird es manchmal spaßeshalber genannt, beruht aber eigentlich auf dem gesellschaftlichen Bild der Frau als Mutter und Hausfrau. So hat es sich eingeschlichen, dass vorrangig Frauen für Kinder, Haushalt und das Drumherum zuständig seien. Rein biologisch gesehen sind Männer ähnlich gut in der Lage, den Feudel zu schwingen oder über ein aufgeschlagenes Knie beim weinenden Kind zu pusten.

Typisch Frau: Technisch unbegabt, orientierungslos und körperlich schwächer als Männer

Medizinerinnen, Informatikerinnen und Bodybuilderinnen zeigen eigentlich zur Genüge, dass Frauen diese Disziplinen ganz ähnlich wie Männer bewältigen, wenn es in ihrem Interessensgebiet liegt. Wer beim Dating ganz automatisch davon ausgeht, dass frau keine Ahnung von Technik hat, kann sich schnell die Chancen bei der Traumfrau verbauen.

Rein verhaltensbiologisch gesehen sind Frauen nicht weniger in der Lage, sich in fremden Gebieten zu orientieren als Männer. Fakt ist aber tatsächlich, dass Frauen das auf eine andere Art und Weise angehen. Während Männer Himmelsrichtungen und Entfernungen meist sehr gut einschätzen können, beziehen sich Frauen viel eher auf gut sichtbare Bezugspunkte. Eine typisch männliche Wegbeschreibung à la: „Nach 100 m rechts Richtung Norden, dann circa 500 m geradeaus und schon bist du da“ kann zu Irritationen führen. Dagegen führt: „Nach 100 m rechts abbiegen, dann an der Kirche vorbei bis zur zweiten Querstraße“ Frauen viel eher ans Ziel.

Das Spiel der Unterschiede: Warum Klischees zu erkennen hilfreich sein kann

Genderstudies bieten die Möglichkeit, sich mit Klischees und alltäglichem Sexismus auseinanderzusetzen. Wenn man sich damit nur ein wenig beschäftigt, wird der Weg frei für ein entspanntes Zusammenleben mit dem Herzensmenschen. Anstelle von vertrauten Vorurteilen kann man dann ganz neu sortieren, wer welche Aufgaben im Haushalt oder Funktionen in der Partnerschaft übernehmen mag. Nicht, weil er oder sie als Mann/Frau am besten dafür geeignet sein muss, sondern weil man es wirklich will!

Einige Beispiele:

Manchmal ist sie diejenige, die sich mit Elan und viel Fachwissen um die familiären Finanzen kümmert. Während er liebevoll für warmes Essen sorgt und sich auch gern um die gemeinsamen Kinder kümmert.

Manchmal hätte er gern Kinder mit seiner Traumfrau und ist auch bereit, dafür im Job bei einer familienfreundlichen, aber wenig karriereorientierten Stelle stehen zu bleiben. Während sie mit Feuereifer im Job steckt und keinen allumfassenden Kinderwunsch verspürt.

Manchmal schraubt sie mit höchstem Vergnügen an der heimischen Elektronik, kümmert sich um den Winterreifenwechsel und er hat weder das Interesse noch den Wunsch an sich, sich um diese Punkte zu kümmern.

Beides ist völlig normal und in der modernen Gesellschaft stehen ihm und ihr viele Wege offen, klischee-unabhängig Interessen und Begabungen auszuleben. Gerade in einer Partnerschaft kann das als sehr bereichernd empfunden werden.

Klischees im Dating: sie sagt, er sagt

„Sie ziert sich, wendet den Blick ab und antwortet nur einsilbig. Bestimmt will sie erobert werden!“ Ein Gedankengang, der so oder so ähnlich in vielen Flirtratgebern und auch von Flirtcoaches oft verwendet wird. Tatsächlich ist diese Körpersprache eigentlich eindeutig. Denn die Aussage ist ein klares: „Oh, nein danke.“

Dates © Fotolia

Während Frauen häufiger eine Absage umschreiben, reagieren Männer eher auf klare Ansagen. Diese Kommunikationsstile sind sowohl Klischees, also vereinfachte Betrachtungen, als auch – oft genug – die reine Wahrheit. Beziehungscoaches üben mit Paaren deshalb oft eins: klare Sprache.

„Ich muss warten, bis er sich meldet. Das zeigt, dass ich nicht zu sehr interessiert bin, und gibt ihm die Gelegenheit, sich als Jäger zu fühlen.“

Bestimmt gibt es Paarkonstellationen, in denen Dominanz und das Jäger-Klischee eine wichtige Rolle einnehmen. Ansonsten gilt eigentlich: Als erwachsene Menschen im 21. Jahrhundert kann man getrost auch als Frau den ersten Schritt wagen, ohne direkt als übereifrig und bedürftig abgestempelt zu werden.

„Karrierefrau? Das sagt sie jetzt, aber lass sie mal Kinder bekommen. Dann will sie doch lieber daheimbleiben und ich muss die Familienversorgung übernehmen, obwohl ich wirklich gern in Karenz gehen würde.“

Eheberater und insbesondere Scheidungsanwälte raten dringend dazu, sich vor der Ehe und den gemeinsamen Kindern über die Lebensplanung und die Aufteilung von Care-Arbeit und Erwerbsarbeit abzusprechen. Dann fühlt sich hinterher keiner überrumpelt oder wird in klassische Rollen gedrängt, die er oder sie so weder geplant noch gewollt haben.

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