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Partnerschaft

Wie Sie sich "treu manipulieren"

Sie könnte aus einem Roman von Aldous Huxley stammen: Die Idee, sich chemische Substanzen zuzuführen, um in der Liebe zu funktionieren. Und die Rede ist nicht von Viagra, sondern von Hormonen, die uns zu den monogamen Wesen machen, die wir gern wären.

Älteres Paar am Meer, Händchen haltend Lebenslange Treue: Ein Irrglaube?  –   © fotolia

Der Traum von der Liebe ist groß. Manchmal ist er so groß, dass er an seinen eigenen Erwartungen scheitert. Niemand spürt das schmerzhafter als die Liebenden selbst, die - vom Rausch der Romantik in luftige Höhen getrieben - oft sehr tief fallen, wenn der Alltag einkehrt oder die Untreue zuschlägt.

Hilfesuchend wenden sie sich dann an Psychologen und Berater, vertiefen sich in Kunst und Kultur oder berufen sich auf Mediziner und Wissenschaftler. Denn natürlich können sie alle etwas beitragen zu der Überlegung, wie die Liebe zu retten, zu verbessern oder zu gestalten sei. So auch der Philosoph und Bioethiker Julian Savulescu.

Ich mach mir die Welt ...

Sein Ansatz ist dabei eine Mischung aus biologischer Anthropologie und gewagter Innovation. Denn Savulescu hat Medizin studiert und in Philosophie promoviert und behauptet, dass die Verwendung eines Nasensprays zu mehr Treue und Bindung führen kann.

Klingt obskur, doch der Wissenschaftler hat Argumente: Ausgehen tut er dabei von der Annahme, dass lebenslange Partnerschaft von der Evolution genauso wenig vorgesehen ist wie Monogamie. Durch eine gestiegene Lebenserwartung überdauern wir die Zeit, die wir im Leben für die Fortpflanzung und Aufzucht unseres Nachwuchses brauchen. Dennoch wünschen wir uns ein lebenslanges Miteinander und wollen an das Glück der großen und ewigen Liebe glauben.

Verantwortlich für das Gefühl der Zugehörigkeit ist das Bindungshormon Oxytocin, das zum Beispiel durch Berührungen, Massagen oder auch beim Stillen freigesetzt wird. Doch anders als es beispielsweise Affen tun, berühren sich die Menschen heute nicht genug, um dieses Hormon freizusetzen. Auch mit der Monogamie ist es so eine Sache. Laut Julian Savulescu ist das natürliche Muster für die zwischenmenschliche Beziehung die serielle Monogamie. Wer dennoch an dem Modell der Treue festhalten möchte, solle also dafür sorgen, dass er sich das fehlende Oxytocin selbst zuführt - zum Beispiel durch ein einfaches Nasenspray. Auf diese Weise ließe sich das Gefühl von Bindung herstellen und das der Eifersucht eindämmen.

Biologische Manipulation

Diese Idee der "biologischen Einflussnahme" ist nicht neu. Laut Savulescu gibt es sogar Wirkstoffe, die die Lust eindämmen - verwendet unter anderem von strenggläubigen Juden in Israel, die auf diese Weise vermeiden, durch sexuelle Lust von ihren religiösen Studien abgelenkt zu werden. Und Nasensprays werden sogar tatsächlich eingesetzt, um die Geburtswehen der Frau einzuleiten. Der Mensch greife schon länger ein in den Kreislauf aus Natürlichkeit und Evolution, so Savulescu. Seiner Ansicht nach gibt es kein Zurück mehr zu den Ursprüngen, der Mensch wird nicht wieder zum Urtier, nur weil er sich dafür entscheidet - und die Frage sei längst nicht mehr, ob wir uns selbst gestalten wollen, sondern wie.

Ob Zukunftsmusik oder nicht - für viele Menschen ist dieser pragmatisch-biologische Umgang mit der Liebe unvorstellbar. Sie halten an den Beispielen fest, in denen Treue auch ohne künstliche Einflussnahme ein Leben lang funktioniert - allein durch Liebe und ein stabiles Wertesystem. Und irgendwie bleibt in den Überlegungen von Julian Savulescu auch die Frage offen, was man mit einem Partner soll, der lieber ein Nasenspray verwendet um Bindung herzustellen, als seine liebenden Hände ...

Lea-Patricia Kurz /Parship

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