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Single-Leben

Wirklich schon frei?

Wer sich auf jemanden einlässt, der noch gebunden ist, ist selbst schuld - so urteilen viele. Aber was, wenn ein Mensch seinen früheren Partner emotional noch nicht losgelassen hat, nach außen hin aber sogar äußerst bindungswillig erscheint? Wie viel Anhänglichkeit an den Ex verträgt die Liebe?

Wirklich schon frei? Alle Altlasten überwunden?  –   © istockphoto

Susanne (39) war im siebten Himmel, als sie Karsten (43) kennen lernte: "Beim ersten Date bin ich langsam, aber sicher dahingeschmolzen." Karsten fühlte ähnlich. Die beiden Singles hatten sich gesucht und gefunden, es begann eine "sehr intensive" Beziehung. Die nach nur vier Wochen allerdings jäh erschüttert wurde, als die Mutter von Karstens Exfreundin starb. Karsten hatte sich zwar schon ein Jahr zuvor von seiner früheren Partnerin getrennt, war aber weiterhin Ersatzvater für deren Töchter. In der familiären Ausnahmesituation stellte er nun fest, dass er die Trennung noch nicht wirklich verarbeitet hatte. Susanne schlug ihm eine Auszeit vor, was dazu führte, dass Karsten einen neuen Versuch mit seiner Ex unternahm - zum großen Kummer von Susanne.

Unfreie Singles

Gab es vorab eine Situation, in der Susanne Alarmglocken gehört hat? Sie verneint. Von den Kindern hatte Karsten gleich zu Beginn erzählt. Sie fand das in Ordnung. Weiteres über die frühere Beziehung wusste sie bis zu der Krise nicht, "dazu war es auch noch zu früh." Paradoxerweise besonders schmerzlich: Karsten war nicht einfach ein gemeiner Lügenbaron, der mit ihr ein falsches Spiel trieb; derartige Fälle kommen bei Kontakten, die über virtuelles Geschäker hinausgehen, auch nur sehr selten vor. Er war ein richtig netter Kerl, einer, mit dem es hätte klappen können, mit dem einzigen Fehler, dass er - ohne sich dessen bewusst zu sein - mit seiner früheren Liebe nicht abgeschlossen hatte. "Wackelkandidaten" wie Karsten sind oft schwer zu erkennen. Schließlich hat ab einem gewissen Alter fast jeder die eine oder andere große Liebe hinter sich. Der bloße Familienstand, ob nun "ledig" oder "getrennt lebend", sagt kaum etwas darüber aus, wie jemand zu seiner Vergangenheit steht.

Achtung, Alarmsignal!

Stellen Sie sich vor: Sie lernen die Frau Ihrer Träume kennen. Sie ist jedoch erst vor drei Wochen bei ihrem Ex ausgezogen. Oder: Sie machen die Bekanntschaft eines netten Mannes, der erwähnt, dass ihm von seiner früheren Partnerin übel mitgespielt wurde. Sind das nur dumme Zufälle bzw. bloße "Formfehler" oder schon Alarmzeichen? Pauschal lässt sich das schwer beantworten. Dass Ihre neue Partnerin das Rasierzeug ihres verstorbenen Mannes noch nicht aus dem Bad verbannt hat, kann eine verzeihliche Nachlässigkeit sein. Falls sie sich jedoch gar nicht davon trennen mag, stehen Ihre Chancen schlecht. Wenn er oder sie dem Expartner oder auch sich selbst einseitig alle Schuld für das Scheitern der früheren Beziehung zuweist, zeugt das nicht gerade von differenzierter Vergangenheitsbewältigung. Sollten Sie unsicher sein, beobachten Sie genau und wägen Sie ab, ohne jedoch ständig eifersüchtig nachzubohren. Gibt es noch etwas, das Ihre neue Bekanntschaft mit dem/der Verflossenen verbindet? Loser Kontakt, Hilfe bei seltenen Gelegenheiten, z.B. Umzug, sind kein Grund zur Besorgnis, auch gemeinsame Kindererziehung nicht, starke emotionale Anteilnahme dagegen schon. Was war der Impuls, sich gezielt auf die Suche nach einem neuen Partner zu begeben? Hoffentlich nicht enttäuschte Liebe, etwa nach einem Treuebruch ... Und wenn doch? Schwierig. Sie können allenfalls versuchen, den Loslösungsprozess mit guten Argumenten zu beschleunigen, ihn aber nicht initiieren.

Es gibt da noch wen ...

Rainer (49) hatte viel Verständnis für seine neue Liebe. Er akzeptierte, dass er die 120 Kilometer entfernt lebende Pia (46) nie in ihrem Haus besuchen konnte, weil dort auch Pias Noch-Ehemann lebte. Das Paar traf sich deshalb meist in Hotels. Rainer nahm es auch hin, dass Ärztin Pia gelegentlich noch Kontakt zu einem Ex-Geliebten hatte, einem ihrer Patienten. Als sie Rainer gestand, sich emotional schwer von diesem Mann lösen zu können, bewunderte er sie sogar für ihre Offenheit. Acht Wochen lang stimmte einfach alles, Pia sprach schon von einer gemeinsamen Zukunft. Dann aber kam es zum Bruch: weil sie einen Feiertag mit ihrem früheren Geliebten verbringen wollte. Der verletzte Rainer zog daraufhin den Schlussstrich. Sein Fazit: "Nie wieder eine Frau, die krampfhaft jemanden sucht, um aus ihrer kaputten Beziehung rauszukommen!" Mittlerweile ist er zwar wieder mit einer in Scheidung lebenden Frau liiert - "aber der Unterschied ist, dass sie mit ihren Altlasten abgeschlossen hat".

Retter gesucht

Wer offensiv auf Partnersuche geht, ist bereit für eine neue Bindung - sollte man meinen. Dass dies durchaus nicht immer der Fall ist, belegt schon eine Untersuchung, die die Soziologin Margot Berghaus im Jahr 1985 zu den Inserenten von Kontaktanzeigen durchführte. Etliche der Befragten waren durch eine Ehe, Anhänglichkeit über den Tod hinaus oder unerwiderte Zuneigung noch gebunden. Mancher wollte gar ohne Wissen des derzeitigen Partners per Inserat einen Neuanfang einleiten, sozusagen nahtlos. Die Partnersuche gilt, so resümiert Berghaus, oft als "Heilmittel gegen die alten, verschlissenen, aber oft nicht so einfach abzuschüttelnden Bande". Was laut der Soziologin häufig auch funktioniert - allerdings steht am Ende längst nicht immer eine neue dauerhafte Bindung. Es besteht Verletzungsgefahr ... Falls Sie selbst nicht genau wissen, wie frei Sie sind, reflektieren Sie und spielen Sie stets mit offenen Karten. So wie Sie es sich von Ihrem Gegenüber wünschen würden. Und ansonsten: Lassen Sie sich von der Tatsache, dass Sie auf einen emotional noch gebundenen Menschen treffen könnten, nicht abschrecken. Zum einen erlebt statistisch gesehen nur ein sehr geringer Prozentsatz aller gescheiterten Beziehungen tatsächlich eine Neuauflage. Und zum anderen kommen Sie um das Risiko, dass Ihr Liebesversuch am Expartner oder aus anderen Gründen scheitert, sowieso nie ganz herum. Wenn Sie sich gefestigt genug fühlen, gilt: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt!

Bücher zum Thema:

  • Heike Olbrich, Jörg Schmidt: Die Verflossenen. Risiken und Nebenwirkungen. dtv 2001, 9 EUR - Wie man stressfrei mit Expartnern umgeht, die Vergangenheit klärt und mit guten Aussichten in eine neue Liebe startet.

 

  • Doris Früh: Im Schatten der Ersten. Partnerschaft mit einem geschiedenen Mann. Kösel 2002, 14,95 EUR - Über Früchte und Narben der Vergangenheit und wie diese die Beziehung mit einem "gebrauchten" Mann beeinflussen.

 

  • Elizabeth Kuster: Aus Ex mach Hopp. Wie man über den Verflossenen hinwegkommt. Fischer 2000, 7,45 EUR - Tipps, um quälende Erinnerungen zu bewältigen.

 

  • Daphne DuMaurier: Rebecca. Roman. Droemersche Verlagsanstalt 1996, 6,90 EUR - Das andere Extrem: Die Heldin steigert sich in den Gedanken hinein, ihr Mann könne noch an seiner verstorbenen Frau Rebecca hängen.

 

 

 

 

Annemarie Lüning/Parship

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