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Besondere Situationen

Korb gekriegt - was nun?

Absagen gehören zur Partnersuche wie die Kalorien zum Obers - es geht nicht ohne. Jeder möchte schließlich wählen, mit wem er sich zusammentut und mit wem nicht. Trotzdem nimmt man ein Nein leicht persönlich ... Wie Sie mit Körben am besten umgehen.

Korb gekriegt - was nun? © iStock

Nach dem ersten Treffen war er zuversichtlich. Die Sache ließ sich gut an, fand er. Leider kam von ihr am nächsten Tag eine Mail: Du bist nett, aber ... Absagen tun weh. Insbesondere dann, wenn man selbst den Kontakt anders erlebt und sich Hoffnungen gemacht hat. Folgen mehrere Körbe aufeinander, kommen auch ansonsten wenig selbstkritische Naturen ins Grübeln: Liegt es an mir? Bin ich so klein, doof und hässlich, dass keiner mich will? Oder die Gedanken verselbstständigen sich anderweitig: Alle Männer/Frauen sind schlecht. Und die Welt sowieso ... Eine so verzerrte Sicht der Dinge ist jedoch wenig hilfreich. Wenn "alle" möglichen Partner schlecht sind, fallen alle durchs Raster - und was hätte man davon?

Zwei Seiten der Medaille

Bemühen Sie sich um eine realistischere Sichtweise. Sie sind nicht jedermanns Traum, na gut, aber bestimmt auch nicht jedermanns Alptraum. Machen Sie Ihr Selbstbild nicht von Erfolgen bei der Partnersuche - Erfolgen bei wildfremden Personen - abhängig. Dass Sie ein liebenswerter Mensch sind, zeigen Ihnen Beziehungen zu Freunden und Familie. Und Sie werden auch noch andere, hoffnungsvollere Begegnungen erleben. In erster Linie sind Absagen ein Zeichen dafür, dass Sie aktiv auf der Suche sind - insofern also positiv. Wer bei vielen Kandidaten anklopft, hat natürlich mit mehr Abfuhren zu rechnen als jemand, der keinerlei Kennenlern-Versuche unternimmt und so zwar Bauchlandungen, aber auch wertvolle Chancen meidet. Der Korb gehört zum System Partnersuche dazu. Sie selbst möchten ja auch die Wahl und damit die Freiheit haben, Nein zu sagen. Besonderheit im Internet: Nirgends knüpfen Sie schneller und effektiver Kontakte, Sie können Dutzende von Kontaktanfragen auf einmal abschicken und die schützende Anonymität genießen. Als Kehrseite der Medaille macht es derselbe Mechanismus jedoch auch leicht, per Mausklick Körbe zu verteilen oder Kontakte abzubrechen.

Sie können nichts dafür

Eine Abfuhr nach der anderen, das kann vorkommen, liegt erfahrungsgemäß aber oft nicht an irgendwelchen Fehlern des Partnersuchenden, sondern vielmehr an der "Marktlage": Wenn besonders viele Männer bzw. Frauen einer bestimmten Altersgruppe auf der Suche sind, bleibt den stark umworbenen Pendants kaum etwas anderes übrig, als sich von vielen frühzeitig zu verabschieden. Um eine Abfuhr richtig einzuschätzen, ist es wichtig, wann und unter welchen Umständen sie erfolgt ist. Bei Parship werden viele Körbe gleich nach Durchsicht der Kontaktanfragen und Partnervorschläge verteilt, also bevor überhaupt ein Austausch stattfand. Quälen Sie sich nicht mit Gedanken daran, wie eine von Ihnen kontaktierte Person belustigt oder empört Ihren Steckbrief betrachtet ("Was bildet der sich ein, mich kennen lernen zu wollen!"). Es kann genauso sein, dass die Person alle Ihre Angaben ganz wunderbar fand, sich jedoch schon anderweitig festgelegt hat. Auch der Zufall und die Stimmung des Auswählenden spielen eine große Rolle. Wie auch immer, der oder die andere kennt von Ihnen nur wenige Rahmendaten, vielleicht ein Schreiben ins Blaue hinein, das Sie Ihrer Kontaktanfrage angefügt haben, und ein Foto - aber nicht Sie persönlich. Wer ein Foto von Ihnen gesehen hat, blickt damit nicht auf den Grund Ihrer Seele. Versuchen Sie, sich die Sache nicht zu sehr zu Herzen zu nehmen, und probieren Sie es weiter.

Es wird persönlicher

Wenn schon Mails hin und her gingen, es vielleicht sogar ein Treffen gab, wiegt eine Absage (noch) schwerer. Trotzdem: Man kann einander auch dann noch nicht wirklich kennen. Falls ein Kontakt ohne Begründung beendet wurde, dürfen Sie gern nachhaken. Oft werden die Gründe nicht in Ihrer Person liegen, Sie sollten aber mit klaren Worten rechnen. Wenn Sie das Gefühl haben, sich einen groben Schnitzer erlaubt zu haben, können Sie darüber hinaus mit einem Freund auf die Suche gehen und diesem Ihre Mails, Ihre persönlichen Angaben und ggf. Ihr Foto zeigen. Nutzen Sie auch unsere weiteren Ratgeber-Beiträge. So wird der eine oder andere Korb durch überhöhte Erwartungen oder uneindeutiges Verhalten provoziert. Letztlich sollte den Ausschlag geben, dass Sie selbst Ihr Auftreten stimmig finden. Falls es etwas gibt, das Sie hätten besser machen können - sehr gut, dieses Wissen hilft Ihnen beim nächsten Mal. Vermeiden Sie es, hart mit sich ins Gericht zu gehen ("Alle anderen können das, bloß ich nicht"), damit würden Sie nur in die Ich-bin-klein-dumm-und-hässlich-Schiene rutschen und sich selbst lähmen.

Geht doch noch was?

Falls Sie Pech haben, werden Sie vielleicht auch einmal grob und taktlos zurückgewiesen. Sie müssen dann mit Ihrem Ärger nicht hinterm Berg halten, sondern können dem anderen mitteilen, dass Sie sich abgebügelt fühlen ("Mach dir doch mal Gedanken, ob so was nicht auch netter geht"). Aber vermeiden Sie es, sich auf dieselbe verletzende Ebene zu begeben ("Du warst mir auch zu hässlich"). Und schließlich gibt es noch jene Kontakte, bei denen Sie eine Absage nicht einfach hinnehmen möchten. Müssen Sie auch nicht - wenn da wirklich Interesse am anderen ist und nicht etwa nur verletzte Eitelkeit, weil man Ihnen mit einem Korb zuvorgekommen ist. Wenn Sie die Möglichkeit haben, fassen Sie noch mal nach. Erklären Sie, warum die Begründung für die Absage (z.B. 200 Kilometer Entfernung) Sie nicht überzeugt, und werfen Sie Gegenargumente in die Waagschale. Werden Ihnen dann neue Gründe gegen den Kontakt vorgehalten, sollten Sie das Nein akzeptieren. In manchen Fällen jedoch zahlt sich nettes Am-Ball-Bleiben - und nicht etwa Nachlaufen - aus. Und ansonsten: Der oder die andere hat selbst Schuld, dass Sie ihm/ihr durch die Lappen gehen. Am besten fährt, wer alles nicht so verbissen sieht und die Online-Partnersuche nicht als "letzten Notnagel" nimmt, sondern als das, was sie ist: eine tolle Erweiterung der Chancen und ein Übungsfeld.

Annemarie Lüning/Parship

Buch zum Thema:

Bärbel Wardetzki: Mich kränkt so schnell keiner. Wie wir lernen, nicht alles persönlich zu nehmen. Kösel 2002, 14,95 EUR

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