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Besondere Situationen

Mingles – Noch Single oder schon Beziehung?

Eine neue Studie im Auftrag von Parship.at belegt, dass die Zahl der Mingles steigt. Das Kunstwort, das sich aus den Begriffen "Mixed" und "Single" zusammensetzt, beschreibt eine neue Form der Beziehung die ohne Verpflichtungen und ständiger Zweisamkeit auskommt.

Mingles auf einer Wiese Die Mingles sind auf dem Vormarsch!  –   © Fotolia

Was ist das eigentlich zwischen uns?

Eine Frage, die in den vergangenen Jahrhunderten kaum eine Rolle zwischen Mann und Frau gespielt haben dürfte. Immerhin war in puncto Liebe alles relativ unkompliziert: Eltern verabredeten Eheschließungen; Männer bekundeten das Interesse an Frauen und machten ihnen den Hof; Frauen willigten ein und dann floss alles ganz natürlich in die geebneten Bahnen: Verlobung, dann die Eheschließung. Vermutlich blieb da kaum Platz für Unsicherheiten, immerhin scheint alles, was offiziell war, klar definiert gewesen zu sein. Heutzutage ist das schon etwas komplizierter, weil vielschichtiger: Ledig, verlobt und verheiratet sind längst nicht mehr die einzigen allgemein anerkannten Beziehungsformen. Im Verlauf der Zeit gesellten sich ...

  • die feste Partnerschaft,
  • das Geschiedensein,
  • die Lebensabschnittsbeziehung,
  • das Singlesein,
  • die On-Off-Beziehung,
  • die Beziehungspause,
  • die Wochenend- bzw. Fernbeziehung,
  • oder auch die Freundschaft plus Extras dazu.
     

Das ist neu: Die Beziehung, die keine ist

Klingt paradox, nimmt in den letzten Jahren jedoch vermehrt Einzug in den Pool der Beziehungsmodelle. Als Partnerschaft will diese Form des Zusammenseins keinesfalls verstanden werden - beide Beteiligten (den Begriff "Partner" zu verwenden erscheint nicht angemessen) sind unabhängig, frei, dem anderen zu nichts verpflichtet. Und dennoch: sie treffen sich regelmäßig, verabreden sich, haben Dates; sie gehen ins Kino, schick essen, feiern; sie kuscheln auf dem Sofa, übernachten beieinander und haben Sex. Aber eine Beziehung?

Nein, das natürlich nicht. Entsprechend ist es auch nicht weiter schlimm, wenn man für einige Tage nichts voneinander hört. Auch ist es kein Problem, wenn große Ereignisse nicht besprochen und über den Kopf des Anderen hinweg entschieden werden. Gemeinsame Pläne für die Zukunft stehen nicht zur Debatte (höchstens vielleicht der Kurztrip nach Paris am nächsten Wochenende). Denn: Alles, was in dieser Beziehungsform geteilt wird, ist die Gegenwart.

Mingles

Ein Paar bei einem Date Zweisamkeit ohne feste Bindung.  –   © istockphoto.com

So können sich diejenigen Menschen bezeichnen, die in der Partnerschaft leben, die keine ist. Mingle ist eine Wortschöpfung, die sich aus zwei anderen Worten zusammensetzt: Das "M" wurde vom englischen "mixed" übernommen, das "INGLE" ist das, was von "single" noch übrig geblieben ist. Zu Deutsch bezeichnet der Begriff also im Prinzip nichts Halbes und nichts Ganzes - eine "Halbbeziehung" oder ein "gemischtes Single-Dasein". In seinen Ursprüngen stammt das begriffliche Phänomen aus den USA, ein deutscher Trendforscher hat die Bezeichnung jedoch auch im deutschsprachigen Raum salonfähig gemacht. Allem Anschein nach ist dies auch notwendig: Immer mehr Menschen können ihren Beziehungsstatus nicht klar definieren. Dieser Umstand erweist sich nicht selten als Problem, wenn es beispielsweise bei Studien darum geht, konkrete Angaben zur eignen Soziodemografie zu machen. Einigen fällt es hierbei nicht gerade leicht, sich einer der vorgeschlagenen Beziehungsformen zuzuordnen. Daher scheint es angebracht, einen neuen Begriff einzuführen, der eine Lebens- und Liebesform definiert, die gut in unsere Zeit zu passen scheint.

Der Mingle als Anpassungsform an die Gegebenheiten der Gegenwart

Individualität in der Zweisamkeit

Niemand hat gerne das Gefühl, alleine im Leben dazustehen. Daher sehnen sich die meisten Menschen danach, jemanden zu haben, auf den sie sich verlassen können. Jemanden, mit dem Zeit verbracht und Zärtlichkeit ausgetauscht werden kann - sozusagen einen sicheren Hafen, zu dem man zurückkehren kann, wenn die See des Alltags zu stürmisch wird. Allerdings, und das ist für viele der Haken, würde ein dauerhafter Ankerplatz dazu führen, die Freiheit aufzugeben, seinen Kurs selbst zu bestimmen. So fürchten sich viele davor, in einer festen Partnerschaft unterzugehen und das aufgeben zu müssen, was einen ausmacht - seine Individualität.

Dabei ist es gerade das, was Menschen finden und ausleben möchten, insbesondere in ihren Zwanzigern und frühen Dreißigern. Selbstverwirklichung hat oberste Priorität. Eine Beziehung stellt ein vermeintliches Hindernis auf dem Weg dorthin dar, weshalb sich viele vorerst noch nicht fest binden wollen und bewusst dafür entscheiden, unabhängig und ohne festen Partner bleiben zu wollen. Die Beziehungsform des Mingle erscheint hier als wunderbare Alternative, da sie das Beste aus beiden Welten zu vereinen scheint: Eine unverbindliche Reservierung im Hafen, die einen Ankerplatz zur Verfügung stellt, wann immer einem danach ist und zugleich die ständige Freiheit, aufs offene Meer hinaus zu segeln und sein persönliches Glück zu suchen.

Alles ganz unverbindlich

Keinen fixen Hafen anfahren zu wollen hat jedoch noch einen weiteren Grund: Immerhin könnte einige Seemeilen weiter ein viel schönerer warten! Warum sollte die Wahl also vorschnell auf diesen einen Ankerplatz fallen? Immerhin würden durch diese Entscheidung viele andere Möglichkeiten von vornherein ausgeschlossen. Vielleicht sogar, obwohl einer der anderen, zahlreich vorhandenen Häfen viel besser zu einem passen würde? Gleiches Empfinden veranlasst Menschen dazu, ein Mingle-Leben zu führen: Zwar besteht Sympathie für den Anderen, man findet ihn anziehend und interessant, die gemeinsame Zeit wird als positiv erachtet, weshalb es vorerst mehr davon sein soll. ABER: Was, wenn jemand anderes noch sympathischer, anziehender, interessanter und liebenswerter ist? Was, wenn der aktuelle "Partner" nicht der richtige ist und das Schicksal eigentlich einen ganz anderen Menschen für einen vorbestimmt hat? Was, wenn dieser eine die falsche Entscheidung ist? Solche Gedanken halten den Mingle davon ab, sich fest und endgültig zu binden. Stattdessen werden die Vorzüge genossen, die einem die Beziehung beschert, die keine ist, während die Augen permanent nach dem perfekten Partner offen gehalten werden können.

Die Sonnenseite des Liebens genießen

Schließlich soll noch ein letztes Argument aufgeführt werden, das so mancher Mingle zur Bestätigung seines Beziehungsstils heranziehen kann. Ein unverbindlicher Ankerplatz im Hafen entbindet einen von so manchen Pflichten und Ärgernissen, die ein dauerhaftes Verweilen mit sich bringen würde: Wartung, Reinigung, Kosten, Zeitaufwand, Mühen ... Unverbindlichkeit macht es möglich, einfach davon zu segeln, wenn es ernster wird - auch zwischenmenschlich. Tatsache ist doch, dass eine Beziehung nicht immer nur Positives für einen bereithält; es gibt Verpflichtungen, die so gar nichts mit Romantik und Leidenschaft zu tun haben. Zudem gilt es, seine Beziehung stets gegen das Ungetüm Alltag zu verteidigen, was mitunter ein anstrengender Kampf sein kann, wovor sich viele scheuen.

Die ersten kleineren Hürden, die zwangsläufig aufkommen, wenn die Euphorie der ersten Verliebtheit verflogen ist, sind für einige Anlass genug, kehrt zu machen und sich nach etwas Neuem umzusehen, von dem sich mehr Unkompliziertheit erhofft wird. Das Dasein als Mingle hat daher seinen Reiz; wer keine Beziehung hat, muss auch nicht um sie kämpfen und Mühe in ihr Bestehen investieren. Die gemeinsame Zeit ist unverbindlich, keine Verpflichtungen, kein lästiger Alltag - jeder erledigt seinen Kram alleine, und wenn man dann zusammenkommt, ist die Zeit von allem Unangenehmen bereinigt und kann in vollsten Zügen genossen werden.

Doch auch ein Mingle ist nicht vor Problemen gefeit...

Klare Vereinbarungen treffen

Dass eine Beziehung, die keine ist, nur dann funktioniert, wenn sich beide Parteien über diesen Umstand im Klaren und auch einig darüber sind, dürfte klar sein. Sobald einer der Beteiligten andere Erwartungen an die "Beziehung" hätte, wäre das mit Komplikationen verbunden. Der Mingle sähe sich permanentem Stress und Rechtfertigungszwang ausgesetzt, wohingegen der Nicht-Mingle stetig verletzt und enttäuscht werden würde. Daher ist es unerlässlich, so früh wie möglich offen darüber zu reden, was sich der Einzelne vom Zusammensein erhofft und wonach er im Leben und der Liebe sucht. Insofern sich beide einig darüber sind, dass sie derzeit nichts Festes und stattdessen unverbindlichen Spaß wollen, steht dem Mingle-Dasein absolut nichts im Wege. Beide können die Vorzüge des Beziehungsmodells genießen, sich im Rahmen des unverbindlich Möglichen voll auf den anderen einlassen und die Individualität in der Zweisamkeit ohne Verpflichtungen auskosten.

Wo die Liebe hinfällt

Der Einschub "derzeit" ist bewusst gewählt, denn Meinungen und Ansichten können sich ändern. Einmal Mingle bedeutet nicht automatisch, für immer Mingle. Dieses Beziehungsmodell kann für einige Jahre hervorragend zu einem passen und genau das darstellen, was man sich vom Leben erwartet. Allerdings schließt dies nicht aus, dass Mingles sich irgendwann verlieben und das Eheleben mit Haus und Kindern herbeisehnen. Daher ist nichts dabei, wenn sich aus einer einstigen Mingle-Beziehung eine feste Partnerschaft entwickelt - sofern beide Beteiligten sich einig darüber sind, von nun an Exklusivitätsanspruch erheben zu wollen, ist das absolut legitim.

Eine Studie zum Thema Mingles: Parship.at über die "Liebe der Zukunft"

Paar beim Kochen Einmal Mingle bedeuted nicht, für immer Mingle.  –   © istockphoto.com

Die Sachlage ist eindeutig: Mingles existieren - nicht nur theoretisch. Von den gut 1000 Befragten Österreichern gaben rund 5% der zwischen 18- und 69-Jährigen den Beziehungsstatus Mingle an. Zwar mag dieser Prozentsatz verhältnismäßig gering erscheinen, jedoch sollte hierbei mitberücksichtigt werden, dass sich rund ein Fünftel aller Befragten, die nicht in einer Beziehung leben, als Mingle bezeichnen, was wiederum einen nicht zu vernachlässigenden Anteil ausmacht. Interessant wird es insbesondere dann, wenn die Zahlen betrachtet werden, die ausdrücken, wie zufrieden Menschen mit ihrem derzeitigen Beziehungsstand sind. Erfreulicherweise gaben 87% der Befragten an, mit ihrem Status zufrieden zu sein. Unter den Mingles sind es immerhin 73%, die absolut nicht über ihre derzeitige Beziehungsform klagen wollen (im Vergleich: 60% der Singles und 96% derjenigen in festen Partnerschaften sehen dies ebenfalls so). Aus der Studie geht hervor, dass Mingles auch auf dem Gebiet der Partnersuche Vorreiter sind und keine Probleme zu haben scheinen, sich an die neuen Gegebenheiten anzupassen. Mittlerweise ist das Internet auf Platz drei der Orte, an denen Menschen potenzielle Partner kennenlernen (an erster Stelle stehen Freundes- und Bekanntenkreis, an zweiter das Ausgehen). Von denjenigen, die das Internet als derart zweckdienlich einschätzen, sind fast 80% Mingles (der Anteil von Singles und Menschen in Partnerschaften rangiert jeweils um die 60%).

Die Studie hat sich auch damit beschäftigt, wie es dazu gekommen ist, dass sich rund 5% aller Befragten als Mingle definieren und hat hinterfragt, ab wann eine Beziehung für die Studienteilnehmer als "offiziell" oder "fest" gilt. Den Ergebnissen zufolge hat es sich bei knapp der Hälfte "einfach so ergeben" ein Mingle zu sein, wohingegen knapp 30% bewusst die Entscheidung gefällt haben, sich nicht fest binden zu wollen (ebenso viele haben angegeben, dass sie Angst davor haben, verletzt zu werden). Weitere Gründe sind der Willen des Anderen, zu hohe Erwartungen an eine feste Bindung und Zeitnot. Interessant ist, dass über die Hälfte aller Mingles zu Beginn der Beziehung definiert haben, was eigentlich nicht definiert ist. So haben 56% aller Mingles von Anfang an über ihre Absichten gesprochen. Kommunikation scheint überhaupt von entscheidender Bedeutung zu sein: So gehen gut die Hälfte aller Befragten erst dann von einer festen Bindung aus, wenn dies auch ausgesprochen wurde. Dies gilt sogar für 73% der befragten Mingles.

Diejenigen ohne feste Partnerschaft gaben an, dass es insbesondere aufgrund der immer wichtiger werdenden Tendenz zur Selbstverwirklichung (55%) und des Strebens nach Unverbindlichkeit zum Erhalt potenzieller Möglichkeiten (45%) komplizierter geworden ist, eine feste Beziehung einzugehen. Es scheint also tatsächlich so, dass Mingles den Zeitgeist erfasst haben und sich mit ihrem unverbindlichen Beziehungsmodell an die Gegebenheiten der modernen Zeit anzupassen versuchen.

>> Hier zu den Ergebnissen der Parship-Studie 2014: Die Partnerschaft der Zukunft

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