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Vom Date zur Beziehung

Zusammenleben einer Patchwork-Familie

Viele Partnersuchende bringen heutzutage Kinder mit ins Spiel, auch bei Parship. Eine Patchwork-Familie kann für die Kinder eine Bereicherung bedeuten, aber auch viel Ungewohntes muss bewältigt werden. Wer das schafft, kann sich glücklich schätzen, und alle Beteiligten sind letztendlich froh.

Zusammenleben einer Patchwork-Familie

Wer vom herkömmlichen Vater-Mutter-Kind-Ideal abweicht und eine Patchwork-Familie gründet, muss sich einer ganz neuen Situation stellen. Und das ist nicht immer einfach. Gerade der Anfang wird oft überbewertet, man glaubt wieder an ein friedliches Zusammenleben - aber es kommt oft anders, als man denkt. Natascha Becker hat ihre Erfahrungen und Erlebnisse in dem Buch "Leben in der Patchwork-Familie" niedergeschrieben. Sie selbst wuchs in einer Patchwork-Familie auf und lebt heute mit ihrer Tochter und einem neuen Partner zusammen. "Es ist toll, wenn ein Paar eine Familie gründet und harmonisch zusammenlebt", findet sie. "Aber leider ist das ja heutzutage oft nicht mehr der Fall. Immer mehr Beziehungen gehen in die Brüche, neue entstehen und dadurch eben immer mehr Patchwork-Familien."

Normalität und Harmonie

"Jeder möchte natürlich von Anfang an eine möglichst perfekte und normale Familie haben", so Natascha Becker. "Dabei braucht das Zusammenwachsen einer Familiengemeinschaft ungeheuer viel Zeit und Feingefühl." Aus Sicht des Kindes müssen sich zuerst einmal Vater oder Mutter beziehungsweise Stiefvater oder Stiefmutter einig über die Vorgehensweise sein und das im Interesse des Nachwuchses. Aber auch sich selbst nicht dabei vergessen. Die beste Basis für einen Neubeginn ist ein langsames, einfühlsames Vortasten. So können sich Normalität und Harmonie langsam entfalten. Zusammenwachsen braucht viel Zeit, weiß auch Renate (32). Die Krankenschwester hielt sich an diese Weisheit, bevor sie den neuen Partner ihren beiden Kindern vorstellte. "Erst als ich mir ganz sicher war, dass es sich um etwas Ernstes handelt, fasste ich Mut. Die größte Sorge war, wie fassen es die Kinder auf, wie reagieren sie?", erzählte Renate. Mütter haben oft die Gedanken, dass sie das Vertrauen ihrer Kinder verlieren, wenn sie in der neuen Situation einer Patchwork-Familie nicht 24 Stunden am Tag für ihre Kinder sorgen können. "Dabei haben sie ein Recht auf ein Liebesleben. Von einer harmonischen und stabilen Beziehung profitieren langfristig auch die Kinder", hält Patchwork-Expertin Becker dagegen.

Kinder haben eigene Gefühle und Gedanken

Renates Kinder waren am Anfang nicht Feuer und Flamme, ganz im Gegenteil. Tom hatte es gegenüber dem leiblichen Vater nicht immer leicht. "Die Kinder haben Tom stets mit ihrem Vater verglichen und es ihm so recht schwergemacht", erinnert sich Renate. Eifersucht und Verlustängste der Kinder zeugen davon, dass sie glauben, auch ihre Mutter an den neuen Partner zu verlieren. "Sprechen Sie mit Ihren Kindern", rät Natascha Becker. "Immer und immer wieder. Erklären Sie ihnen, dass ein erwachsener Mensch auch einen erwachsenen Partner braucht, um glücklich zu sein. Dass dieser Partner Bedürfnisse befriedigt, die ein Kind nun mal nicht befriedigen kann. Aber zeigen Sie auch deutlich, dass Ihre Gefühle für Ihre Kinder dadurch nicht geschmälert werden." Kinder brauchen viel Sicherheit seitens der Mutter, woraus Vertrauen wächst. Aber auch Geborgenheit, Verständnis und Lob dürfen nicht nachlassen. Im Beisein des Partners dürfen hier keine Unterschiede gemacht werden, Kinder reagieren darauf sehr empfindlich. Auch der Partner sollte es nicht mit Druck und Eile versuchen sondern geduldig sein. Wichtig ist, den Kindern zu zeigen, dass man eine komplette Familie wünscht und nicht nur die Mutter.

Kinder suchen eine Vorbildfunktion und keinen Freund

Tom unternahm viel mit den Kindern und Renate gemeinsam und legte so den Grundstein für eine neue Familie. Nach einiger Zeit war es selbstverständlich, das auch die Kinder nur mit Tom alleine zusammen waren. Die Tochter war begeistert von der Hilfe, die Tom bei ihren öden Mathe-Hausaufgaben gab. Und der Sohn staunte über die Dribbelkünste, die Tom beim Fußball zeigte. Wer es soweit gebracht hat, bekommt schnell das Vertrauen der Kinder und wird als Vorbild angenommen - Gefühle können wachsen. Doch ist das nicht immer so. Auch Erwachsene haben eigene Probleme, die sich durchaus auch unbewusst formen können. Wenn Kinder nur von ihrem leiblichen Vater sprechen, kann leicht Eifersucht - oft unbewusst - auf den Ex-Partner aufkommen. "Versuchen Sie nicht, besser zu sein als der leibliche Elternteil", rät Natascha Becker. Gerade in der Patchwork-Familie wird oft ein sehr hohes Maß an Vorsicht und Perfektionismus gezeigt und angetroffen - ein klassischer Fehler. Kinder brauchen eine ganz normale Familie und viel, viel Liebe.

Jede Konstellation ist anders

Eine Patchwork-Familie ist im Grunde eine ganz normale Familie, in der es auch erlaubt ist, Fehler zu machen. Auch wenn nicht gleich alles passt, in normalen Familien ist es nicht anders. Kommen bei beiden Partnern ihre jeweiligen Kinder in die neue Konstellation, wird es vielleicht noch etwas schwieriger. Doch auch hier hat sich gezeigt, dass die Kinder oft mehr soziale Kompetenz besitzen und kompromissbereiter sind als erwartet. Ein Patentrezept, wie es mit dem Zusammenleben klappt, hat auch Expertin Becker nicht, schließlich ist jede Konstellation anders. "Manchmal dauert es eben Jahre", resümiert Natascha Becker. Aber "wenn die Beziehung der Erwachsenen stabil und harmonisch ist und jeder versucht, so viel Verständnis wie möglich für den anderen aufzubringen, ist das schon eine Erfolg versprechende Basis."

Bücher zum Thema

Adrian Urban: Liebe mit Anhang. Wenn der Partner Kinder hat. Hugendubel 2002, 14,95 EUR

Natascha Becker: Leben in der Patchwork-Familie. So gelingt der Familienmix. VGS 2001, 10,50 EUR

Patricia Kaufmann, Clemens von Luck: Der neue Mann im Haus. Wenn Mütter sich wieder binden. Fischer 2001, 8,90 EUR

Helga Häsing: Mein neuer Partner und mein Kind. Ablehnung, Akzeptanz, Lösungen. Text-o-phon 2001, 13,95 EUR

Andrea Krehan-Riemer: Hilfe, ich liebe einen Wochenend-Vater. Wenn seine Kinder zu Besuch sind: So kommen Sie klar. Trias

Verena Krähenbühl, Anneliese Schramm-Geiger und Jutta Brandes-Kessel: Meine Kinder, deine Kinder, unsere Familie. Wie Stieffamilien zusammenfinden. Rowohlt 2000, 8,50 EUR

Gerhard Bliersbach: Halbschwestern, Stiefväter und wer sonst noch dazugehört. Leben in einer Patchwork-Familie. Walter 2000, 16 EUR

Kommentare

"Genau mit der gleichen Einstellung wie Renate bin ich bis vor 6 Jahren an alle neuen Bekanntschaften herangegangen - meinen Kindern stelle ich einen Mann erst vor, wenn ich selbst mir ganz sicher bin, dass das 'etwas Ernstes' wird. Und dann bin ich einem Mann begegnet, der mit der Haltung lebte, 'wenn ich zu den Kindern einer möglichen Partnerin keinen guten Draht habe, dann wird auch die Beziehung nur ganz geringe Chancen haben.' Sein Ziel war also, meine Kinder so schnell wie möglich mal zu treffen.

Unser erstes Date war total interessant, wir haben über 5 Stunden geredet - allerdings nicht über diese sehr unterschiedliche Haltung in Sachen 'Kinder kennenlernen'. Und so kam es, dass ich ein zweites Date mit einem Hinweis darauf verschieben wollte, dass die Kinder am nächsten Wochenende bei mir sein würden und ich den Samstag mit ihnen an einem Quartierfest teilnehmen werde (mit dem Unterton 'darum kann ich dich leider nicht treffen'). Und der Mann, der bisher sehr wenig Nicht-Gesagtes überhört hatte, reagierte darauf mit: 'Oh schön, dann sehe deine Kinder bei dieser Gelegenheit in ihrem normalen Umfeld das erste Mal.' Das hat mir die Sprache verschlagen, und ich konnte mir keine Begründung für eine konkrete 'Ausladung' mehr denken, die nicht furchtbar unhöflich getönt hätte.

Also habe ich mich (wesentlich nervöser als vor dem ersten Treffen!) auf diese Sache eingelassen. Der Mann hat also bei unserem zweiten Treffen meine Kinder, meine zwei besten Freundinnen, quasi alle Bewohner/innen unseres Wohnquartiers und mein Haus kennengelernt. Viel zu schnell zu viel Nähe für meinen Geschmack ... Heute ist 'dieser Mann' mein Ehemann, wir leben zu viert in seinem Haus. Meine Kinder lieben ihn, er liebt sie - dies ist wesentlich mehr, als wir uns je hätten vorstellen können. Stünde ich heute vor der Frage, ob meine Kinder früher oder später einen Mann kennenlernen sollten, der mich interessiert - ich könnte sie nicht mehr eindeutig beantworten. Im Ergebnis kann beides gelingen, man kann in beiden Situationen Glück haben oder auch nicht."

Susanne (47), Organisationsberaterin

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